Pig - Migulators

Wenn ein Schweinemagen streikt

Rosa, dick und gesund – so stellen wir uns das ideale Schwein vor. Aber was, wenn der  Magen der rosaroten Schönheit verstimmt ist? Das kann zu zahlreichen Konsequenzen von Stress bis Dünndarmentzündung, von weniger Schlachtleistung für die Industrie bis verminderter Fleischqualität für den Konsumenten führen. In einer aktuellen Studie des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib), der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der IPUS GmbH Rottenmann, beschäftigen sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen damit, herauszufinden, wie Übersäuerung während der Futterverdauung gehandhabt werden kann, und welche natürlichen Futterzusätze die Gesundheit und das Wohl der Tiere unterstützen.

Durchschnittlich 39 Kilogramm – Das ist die Menge an Schweinefleisch, die in Österreich pro Jahr und pro Kopf konsumiert wird. Aber um dem Konsumenten Schweinsbraten ohne Schuldgefühle ermöglichen zu können, muss die Fleischindustrie immer strikter werdende Vorschriften erfüllen: der Konsument wünscht sich exzellente Qualität mit einem hohen Anteil an magerem Fleisch, während industrialisierte Betriebe das Ziel haben Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Stressresistenz der Tiere zu optimieren. Das richtige Tierfutter zu haben, kann sowohl die Bedürfnisse des Konsumenten sowie die des Landwirts erfüllen. Bis jetzt hat es sich um eine „Trial-and-Error“-Methode gehandelt: trotz Fütterung einer auf den aktuellen Mastzustand angepassten Futtermischung kann es immer noch zu Darmübersäuerung oder Verdauungsstörungen kommen, was bis zu Durchfall und Darmentzündungen führen kann.

Welche Rolle spielen nun Futtermittelkomponenten in dieser Übersäuerung, wie stehen Mikroorganismen und Futter im Verdauungstrakt in Wechselwirkung und welche Futterzusätze könnten einen manchmal hohen pH-Wert kontrollieren und senken: das sind die Themen der aktuellen Untersuchungen des obersteirischen Unternehmens „IPUS Mineral – und Umwelttechnologie GmbH“, des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib), der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) und noch weiterer Partner. acib hat Mikrobiome in Schweinen untersucht, Proben genommen und die unterschiedlichen Phasen der Verdauung in einem Labor nachgestellt, um herauszufinden welcher Futterzusatz das Darmmilieu am besten stabilisiert.

Die sogenannten Migulatoren zeigen die besten Ergebnisse: mineralische Bio-Regulatoren, welche auf einer bestimmten Art des vulkanischen Minerals Klinoptilolith, einem Naturprodukt, basieren, dienen dazu, biologische und chemische Prozesse zu regulieren.

Eingesetzt als Futterzusätze führen sie zu mehr Vitalität und höherer Stoffwechsel-Funktionalität  beim Tier, da sie ein wichtiger Puffer für den pH-Wert sind.

Dabei erfüllen sie zwei zentrale Aufgaben: einerseits gibt ihre mikro-mesoporöse Struktur natürlich enthaltene Bodennährstoffe und Spurenelemente (wie zB Calcium, Kalium, Magnesium, Zink und Eisen) in den Darm des Schweins durch Ionenaustausch ab.

Andererseits adsorbiert die Oberfläche der Poren von Klinoptilolith schädliche Substanzen, wie Schwermetalle oder Toxine im Futter, die von Schimmel oder auch Ammoniak und Ammonium erzeugt werden. Bei Entlastung der Leber der Schweine und insbesondere der Fleischfasern, kommt es zu einer Verbesserung der Qualität des Endprodukts, das beim Konsumenten auf den Tisch kommt. Ein weiterer Vorteil: Durch die Zugabe von Zeolith Präparaten wird der Ammoniak Ausstoß von Viehmist gehemmt, folglich verbessert sich das Mikroklima im Schweinestall. Dies hat einen positiven Effekt auf die Stressresistenz von Ferkeln und führt zu einer Reduktion von Verletzungen.

Die Untersuchungen des acib haben auch gezeigt, dass die große externe Oberfläche von „Migulatoren“ als passende Behausung für Darmbakterien dient, da sie Wachstum und Biodiversität von gesundheitsfördernden Mikroorganismen durch eine bessere Bioverfügbarkeit von Nährstoffen begünstigt. „Tierfutter-Migulatoren“ agieren als vorsorgliche Unterstützung der Tiergesundheit. Die Ergebnisse sind eine bessere Futternutzung, höhere Mastleistung, Verbesserung der Darmgesundheit sowie Kostenersparnisse was tierärztliche Behandlungen angeht.

Neben der Nutzung von „Migulatoren“-Technologie in der Tierfutterindustrie, könnte sie im ganzen Nährstoffkreislauf der Landwirtschaft eingesetzt werden. Indem man üble Gerüche und Ammoniak Emissionen senkt, erzeugt man ein besseres Mikroklima, in welchem auch der Stickstoffverlust verringert wird. Außerdem machen die „Migulatoren“ in nährstoffreichem Viehmist diese Technologie insbesondere für die Bodenverbesserung, Kompostierung und Düngung nützlich, indem sie essentielle Pflanzennährstoffe freigeben. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen forschen derzeit daran, wie „Migulatoren“ und ihre Mikroorganismen zusammenhängen und sind sich sicher, dass neue Produkte und Anwendungen entwickelt werden könnten, um den ganzen Prozess zu verbessern und einen erheblichen Beitrag zum Tierwohl und dem Umweltschutz zu leisten.


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Tags:bioavailability of nutrients, enteritis, gut bacteria, Migulators