Gebrauchte Windeln zählen zu den problematischsten Abfallströmen im Gesundheits- und Pflegebereich. Aufgrund ihres hohen Feuchtigkeitsgehalts, der biologischen Kontamination und der Materialverbunde gelten sie bislang als nicht recyclingfähig und werden überwiegend verbrannt oder deponiert. Dies verursacht hohe Transportaufwände, Kosten und Umweltbelastungen – insbesondere in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kinderbetreuungseinrichtungen mit großen Abfallmengen.
Technologische Innovation
Kern des Systems ist ein enzymbasierter Reinigungsprozess, der organische Verunreinigungen wie Fäkalien und Urin schonend entfernt, ohne die Struktur der enthaltenen Materialien zu zerstören. Die eingesetzten Enzyme werden nicht industriell zugekauft, sondern nachhaltig durch Fermentation von Obst- und Gemüseresten hergestellt.
Dabei kommen Mikroorganismen wie Bacillus subtilis und Saccharomyces cerevisiae zum Einsatz, die Enzymgemische mit Protease‑, Cellulase‑, Amylase‑ und Esteraseaktivität produzieren. Dieser Ansatz verbindet Abfallbehandlung mit Bioökonomie und Abfallverwertung und reduziert gleichzeitig den Ressourcenverbrauch.
Ergebnisse und rückgewinnbare Outputströme
Nach der enzymatischen Reinigung konnten drei hochwertige Materialfraktionen erfolgreich zurückgewonnen werden:
- Superabsorber-Polymer (SAP): Das Superabsorber-Polymer wurde separiert und gereinigt. Funktionale Tests zeigten, dass das Material seine Absorptionsfähigkeit über mindestens sechs Wiederverwendungszyklen hinweg beibehält.
- Kunststofffraktion: Kunststoffe wie PET, PP und PE wurden manuell getrennt und zu einer Qualität aufbereitet, die für das Recycling oder eine weitergehende stoffliche Wiederverwertung geeignet ist.
- Organische Fraktion: Die cellulosehaltigen Bestandteile wurden enzymatisch in fermentierbare Zucker umgewandelt und stellen damit eine wertvolle Grundlage für biotechnologische Anwendungen dar. Die verbleibende organische Substanz wurde einer anaeroben Vergärung unterzogen, wobei ein Methanertrag von 34,87 NmL CH₄ pro Gramm Einsatzmaterial erzielt wurde und gleichzeitig die regulatorischen Grenzwerte für Stickstoff eingehalten wurden.
Wirkung und Nutzen
- Reduktion von Transportaufwand und CO₂-Emissionen
- Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe
- Nutzung von Lebensmittelabfällen als Ressource (z. B. Schalen von Obst und Gemüse)
- Potenzielle Kostenvorteile durch dezentrale Verarbeitung
- Hohe Übertragbarkeit auf die Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur